Firewall?
Ok!
Antivirus?
Ok!
VPN?
...Oh what?
Hacker in WLAN-Netzen: «Die Gefahr ist sehr gross»
Interview: Reto Knobel;Aktualisiert
um 11:34 Uhr
Alleine in Europa surfen 121 Millionen über eine
kabellose Breitbandverbindung im Internet. Auch in der Schweiz wird WLAN
(Wifi) immer beliebter. Doch diese Surfmethode birgt einige
Sicherheitsrisiken.
Immer und überall ins Web – per Handy,
Smartphone, Netbook oder iPad. Drahtloses Surfen (WLAN, Wifi) ist die
wohl beliebteste Surfmethode in der Schweiz. Gemäss verschiedenen
Untersuchungen sind aber bis zu 70 Prozent aller privaten Funknetzwerke
ungesichert – ein schwerer Fehler. Informatikprofessor Norbert Pohlmann
erklärt im Interview, was es beim Einrichten
und Nutzen von WLAN zu beachten gibt.
Herr Pohlmann, WLAN wird
immer beliebter. Wie sicher ist diese Surfmethode?
WLAN lässt sich
für den normalen Gebrauch bedenkenlos einsetzen – wenn im Vorfeld die
entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.
Das
Wichtigste ist die Verschlüsselung der Daten. Warum?
Über
das
WLAN übertragene unverschlüsselte Daten kann jeder abfangen – auch ohne
grosse technische Kenntnisse. Das ist besonders heikel bei persönlichen
und sicherheitskritische Daten. Als Methode sollte WPA2 verwendet
werden, da es aktuell die sicherste Verschlüsselungsart ist.
Und
der sogenannte WLAN-Schlüssel?
Er wird von demjenigen, der das WLAN
konfiguriert, mithilfe einer sogenannten Passphrase erzeugt und an die
Teilnehmer, die «Zutritt» zum WLAN erhalten sollen, weitergegeben. Eine
Passphrase sollte aus Buchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen bestehen
und mehr als 10 Zeichen lang sein. Verwenden Sie immer Klein- und
Grossbuchstaben in Kombination mit Sonderzeichen und Zahlen, in einer
auf den ersten Blick sinnlosen Zusammensetzung. Benutzen Sie für jeden
Dienst ein anderes Passwort.
Was sollte man bei den WLAN-Namen
beachten, also dem Namen des Netzwerks, den alle Nutzer in Reichweite
auf ihrem Gerät sehen?
Der WLAN-Name sollte keine Rückschlüsse auf
den Betreiber zulassen, wenn es sich um ein privates WLAN handelt, damit
ein potenzieller Angreifer nicht schon anhand des Namens sein Ziel
erkennen kann oder etwa anhand der Nicht-Sichtbarkeit sieht, ob der
Besitzer gerade in den Ferien ist.
Immer wieder liest man von
Hackern, welche über WLAN-Netze Daten ausspionieren. Wie gross ist die
Bedrohung wirklich?
Die Gefahr ist sehr gross, da sehr einfach
festgestellt werden kann, dass ein WLAN nicht verschlüsselt ist. Das
macht es einem Hacker sehr einfach, die richtigen Netze zu finden und
dann nach Daten zu suchen.
Früher nutzte man WLAN für Notebooks,
dann für Netbooks und Smartphones. Jetzt auch mit iPads. Das Tummelfeld
für Cyberkriminelle wird damit immer grösser.
Das ist in der Tat so.
Wir gehen heute davon aus, dass jeder 25. Computer (auch mobile) eine
Schadsoftware, also Malware, über Software-Sicherheitslücken oder
weitere Schwachstellen im Computer installiert hat, die von kriminellen
Organisationen über Botnetze zentral gesteuert werden.
Das
bedeutet, dass die kriminellen Organisationen auf den infizierten
PCs/Notebooks alles mitlesen können...
...und unsere Computer für das
Aussenden von Spam-Mails oder für verteilte Angriffe einfach nutzen
können. Diese Situation sehen wir zunehmend auch für Smartphones und
iPads.
iPads? Sind Apple-Produkte nicht grundsätzlich sicherer?
Nein! Da deutlich weniger Personen einen Mac-Computer nutzen,
konzentrieren sich die meisten Angreifer heute auf die Microsoft-Welt.
Diesen Effekt kann man natürlich nutzen, in dem man mit einem
Mac-Computer arbeitet. Nur wenn das jeder tun würde, könnte der Effekt
nicht mehr positiv genutzt werden, da sich dann die Angreifer auf
Mac-Computer konzentrieren würden.
Was muss man beim
Surfen
über öffentliche drahtlose Internetzugänge, sogenannte Hotspots,
beachten? Hotspots werden etwa an Bahnhöfen, Flughäfen,
Geschäften
und Cafés angeboten.
Bei Hotspots ist besondere Vorsicht geboten,
denn diese werden von Fremden betrieben und sind für jeden zugänglich.
Nicht verschlüsselte Daten können «mitgeschnitten» werden, und selbst
Angriffe auf verschlüsselte Daten sind theoretisch möglich, wenn ein
Angreifer Zugriff auf den Hotspot besitzt. Manche Angreifer stellen
sogar extra eigene Hotspots auf, die als «offizielle» Hotspot getarnt
sind.
Was würden sie beim Surfen via Hotspots unterlassen?
Geben
Sie keine sicherheitskritischen Daten – zum Beispiel Ihre
Kreditkartennummer – bei einer Internetanwendung ein, wenn Sie in einem
öffentlichen WLAN surfen. Insbesondere Onlinebanking ist von
öffentlichen WLANs aus tabu, ausser Sie besitzen eine verschlüsselte
VPN-Verbindung.
Sollte man grundsätzlich auf E-Banking per WLAN
verzichten?
Nein. Wenn alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind,
kann ich im eigenen WLAN E-Banking durchführen.
Einige Banken,
wie etwa die Schweizer Migrosbank, bieten mittlerweile «sicheres»
Onlinebanking via USB-Stick an. Was halten Sie davon?
Falls der
USB-Stick mit einer Banken-SIM-Karte ausgerüstet ist und mit Hilfe eines
eigenen Browsers das Banking durchgeführt wird, kann tatsächlich eine
höhere Sicherheit erzielt werden als mit üblichen Banking-Angeboten.
Source:
Tagesanzeiger 8. April 2010
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